Traeume und Wahrheiten, Teil 2

Paraguay: die Sirene Suedamerikas - unerklaerbar anziehend, sagenumwoben und manchmal anders als ertraeumt

Fortsetzung unserer Reiselektuere "Traeume und Wahrheiten" Teil 1...

(Da diese Rubrik mittlerweile gut gewachsen ist, stelle ich hier noch ein kurzes Inhaltsverzeichnis der Ueberschriften voran:)

Themen unserer Reiselektüre "Träume und Wahrheiten", Teil 1:
1. Das Leben in Paraguay ist so guenstig
2. Geschenkt ist noch zu teuer
3. Da kann ich dann schon irgendetwas arbeiten
4. Da brauche ich nicht viel zum Leben
5. Ich suche Schutz und Landsmannschaft anderer Deutscher
6. Meine Einwanderungsdokumente mache ich selber
7. Second Life
8. In Paraguay trennen sich viele Paare
9. Euphorie und Naivität schlagen Hirn und Skepsis
10. Betrogen?
11. Licht und Schatten
12. Eine Frage der Ehre

Themen unserer Reiselektuere "Traeume und Wahrheiten", Teil 2:
13. INDERT- oder IBR- oder Fiscal-Land
14. Unter Geiern
15. Drogen - Honi Soit Qui Mal Y Pense

Themen unserer Reiselektuere "Traeume und Wahrheiten", Teil 3:
16. Verwalter gesucht - Freiwillige vor!
17. Paraguayische Frauen
... weitere Themen folgen ...

TEIL 2:

13. INDERT- oder IBR- oder Fiscal-Land

Diese Begriffe klingen gut, wichtig und - sie werden ueberlesen. Bei Uebersetzungen werden sie i. d. R. so uebernommen, so dass die Bedeutung zunaechst (in vielen Faellen fuer immer) im Dunkeln bleibt. Dennoch haengt vom Verstaendnis ab, ob Sie blind oder zumindest in Kenntnis der Risiken handeln.

Frueher IBR (Instituto de Bienestar Rural), heute INDERT (Instituto Nacional de Desarrollo Rural y de la Tierra) sind bzw. waren staatliche paraguayische Behoerden, die unter anderem mit der Zusprechung von Laendereien an berechtigte Personen befasst sind.

Wir wollen das hier nicht in aller Ausfuehrlichkeit und abschliessend behandeln.
Nur so viel: Paraguayer koennen sich unter gewissen Umstaenden vom Staat Laendereien, die sie schon lange bewirtschaften, zusprechen und einen entsprechenden Eigentumstitel ausstellen lassen. Diese Berechtigung kann gegeben oder konstruiert sein.

Deutsche koennen das nicht.

Da der Staat das Land zuspricht, um den Menschen Heim und Hof als Grundlage zur Versorgung der Familie zu geben, wird das kostenlose Land mit einem Verkaufsverbot belegt, das frueher fuer 5 Jahre, aktuell fuer 10 Jahre gilt. Waehrend dieser Zeit kann ein IBR- bzw. INDERT-Grundstueck nicht ueberschrieben werden, d. h. im Grundstuecksregister kann keine Auflassung erklaert werden, und es kann im Register nicht den Besitzer wechseln. Derjenige, dem das Land von der INDERT zugesprochen wurde, bleibt im Register (und das zaehlt) bis zur Umschreibung (diese kann fruehestens nach 10 Jahren erfolgen) EIGENTUEMER. Das ist schon mal Fakt.

Verkaeufer (Paraguayer kennen haeufig die rechtlichen Implikationen insbesondere fuer Auslaender nicht; wir sprechen also i. d. R. von Deutschen, die solche Grundstuecke weiterverkaufen moechten) versuchen  haeufig, diesen Umstand zu relativieren und mit der gaengigen Praxis zu erklären, die von allen Anwälten beschrieben und abgenickt wird und die allein es moeglich macht, solche Grundstuecke vor Ablauf der Sperrfrist zu erwerben.

Korrekt! Gaengige Praxis und problemlos, so lange sich beide Parteien daran halten. Gleichzeitig aber auch ungesetzlich und somit - ich bin kein Anwalt, wage es aber einmal als subjektive Meinung in den Raum zu stellen - nichtig, wenn der zu Grunde liegende Vertrag angefochten wird.

Man behilft sich beim Kauf also, indem Privatvertraege (auch vor dem Notar) geschlossen werden, die jedoch nur die beiden Parteien binden. Es gibt zwei Exemplare des Vertrages (Verkaeufer und Kaeufer), und der Notar behaelt keine Kopie. Es erfolgt keinerlei Eintragung in irgendein Buch oder Register.

Insofern, sie hoeren den Hasen schon hoppeln, koennte der Verkaeufer zunaechst einmal das gleiche Grundstueck mehrfach verkaufen, und niemand bekaeme es mit, bevor sich nicht zwei Eigentuemer mit Privatvertraegen praesentieren und der Rechtsstreit beginnt. Egal, wie es ausgehen mag. Dieser Rechtsstreit wird viel Geld kosten, Jahre dauern und Ihnen die Nerven rauben. Zudem kann das Leben auf dem Grundstueck, vermutlich in der Nachbarschaft der restlichen Familie des Verkaeufers, ab jetzt recht unangenehm werden.

Zur Erinnerung: der Verkauf von IBR- bzw. INDERT-Land vor Ablauf der Sperrfrist ist gesetzlich verboten. Wo glauben Sie, in einem solchen Fall jetzt rechtlichen Beistand zu finden und Recht zugesprochen zu bekommen, wenn Sie einen Vertrag in der Hand halten, der geltende Gesetze (die privatvertraglichen Vereinbarungen natuerlich vorgehen) gebrochen hat?

Insofern wage ich mal, zaghaft zu ueberlegen, ob solche Privatvertraege ggfls. nichtig und anfechtbar sind, und Kaeufer nun sehen koennen, wo und von wem sie ihr Geld zurueckerhalten, das vermutlich laengst in eine Camioneta, eine Geliebte oder anderes Spielzeug investiert wurde.

Sie brauchen noch nicht durchatmen. Damit sind wir noch nicht am Ende. Diese Kaufvertraege binden die Vertragsparteien. Wenn der Verkaeufer verstirbt, bevor das Grundstueck im Register umgeschrieben werden kann (nach 10 Jahren), geht das Grundstueck in die Erbmasse ein (das Gericht fragt automatisch die Register ab).
Ihr Privatvertrag bindet den/die verstorbenen Verkaeufer, nicht die Erben, und anders lautende  Klauseln sind nichtig. Sie koennen privatvertraglich niemandem gesetzliche Rechte aberkennen. Das gilt - fuer Spitzfindige - auch fuer Vereinbarungen ueber Niessbrauchrechte, etc.

Nach paraguayischem Recht kann niemand ueber seinen Tod hinaus bindende Verfuegungen fuer andere (z. B. die gesetzlichen Erben) treffen.

Sicher! Auch ich weiss, dass dies die gaengige Praxis in PY ist, um IBR- und INDERT-Grundstuecke vor Ablauf der Sperrfrist zu verkaufen (die Uebertragung im Register erfolgt dann immer nach Ablauf der Frist, wenn vorher keine Verlaengerung der Sperrfrist verfuegt wird, wenn das Grundstueck nicht in die Erbmasse eingeht, wenn Dritte keinen Einspruch einlegen, etc.).

Daher sollte man zumindest wissen und in der Theorie auch einmal durchdenken, wie die eigene Rechtslage (als Auslaender in PY) im Falle eines Falles eigentlich aussieht, wenn man IBR- oder INDERT-Grundstuecke vor Ablauf der Sperrfrist unter Umgehung der gesetzlichen Vorgaben erwirbt und der Partner die nicht gesetzlich gedeckte Hilfskonstruktion entgegen anfaenglicher Zusagen dann doch nicht einhaelt.

Als "Fiscal"-Land werden uebrigens jene Grundstuecke bezeichnet, die noch ueber keine Grundstueckstitel verfuegen (s. oben). Hier koennen berechtigte Paraguayer (!) bei der INDERT die Ausstellung eines Titels auf ihren Namen beantragen.

Auch hier gibt es Konstruktionen, wo Deutsche Interessenten einen paraguayischen Strohmann vorschieben, damit dieser zunaechst auf seinen Namen das Staatsland reklamiert und gleichzeitig "per Privatvertrag" die Verpflichtung eingeht, das Land dann spaeter auf den schlitzohrigen Deutschen zu uebertragen. Wieder: ich bin kein Anwalt, aber Sie werden mir Recht geben, dass auch diese elegante Konstruktion eine bedenkliche Schieflage hat. Die Gruende sind die gleichen wie oben.

Das ganze Problem entsteht nicht, wenn Sie diese Grundstuecke nach Ablauf der Sperrfrist erwerben. Wenn Sie Glueck haben, ist diese schon abgelaufen, oder es fehlen bis dahin nur einige Monate. Wer nicht warten kann oder will, laesst sich (falsch oder nicht abschliessend) "beraten" und schliesst Privatvertraege. Die damit verbundenen Risiken habe ich oben im Ansatz darzustellen versucht. Glauben Sie bitte nicht, dass ein/e Notar/in Sie derart umfassend ueber moegliche Risiken und Folgen aufklaert. Schon gar nicht, wenn Sie nicht danach fragen und noch viel weniger, wenn Sie die Sprache nicht sprechen und keinen unabhaengigen Uebersetzer dabei haben (der Verkaeufer als Uebersetzer hat keine Verpflichtung und auch kein allzu grosses Interesse, das Thema auszuweiten!!!).

Natuerlich, wird man Ihnen sagen, kann man einen Privatvertrag mit dem Inhalt abfassen, den Sie sich ertraeumen, wenn der Vertragspartner dem zustimmt.

Was interessiert es einen Anwalt oder Notar, ob die Regelungen in der Zukunft dann Bestand haben und durchsetzbar sind? Das ist IHR Problem und fuer den Anwalt ggfls. ein neuer Auftrag.

Da die Problematik und die Formen der Umgehung der gesetzlichen Vorgaben dem Gesetzgebenden sehr wohl bekannt sind, wurde eine verschaerfte Anweisung an die Notariate erlassen, die es bei Strafe verbietet, solche Vertraege zu siegeln. Wenn Sie also einen dieser angesprochenen Privatvertraege vor einem Notar abschliessen, wissen Sie bereits, warum dieser Vertrag weder das Siegel noch die Unterschrift des Notars tragen wird. Es wird auch keine Beglaubigung der Unterschriften (certificacion de firmas) erfolgen. Sie erhalten bestenfalls eine notariell beglaubigte Kopie des Vertrages, denn damit bricht der Notar kein Recht. Er bescheinigt nur, dass die Kopie mit dem Original uebereinstimmt. Seine Mitwirkung ergibt sich aus keinem Detail, und er verleiht dem Dokument auch keinen "oeffentlichen Glauben". Sie koennten sich nun die Frage stellen, warum man dann ueberhaupt zum Notar geht. Ganz einfach: damit dem ganzen Zauber der Anschein der Seriositaet verliehen wird. Allerdings koennte die Ungesetzlichkeit offensichtlicher gar nicht zu Tage treten, oder?

Was interessiert es heute einen Verkaeufer in Aussicht vieler Millionen, ob er (ohnehin unwirksam) auf verfassungsmaessige oder gesetzliche Rechte verzichtet? Man hat ihm schon gesagt, dass man das sowieso alles wieder kippen koennte.....

Sie werden also auf eine knappe Frage die knappe Antwort erhalten, dass es ginge. Geht ja auch, wenn und so lange alle mitspielen. Eigentlich braeuchten Sie dann auch gar keinen Vertrag, oder? Stimmt. Ein nichtiger Vertrag ist ja auch so gut wie keiner.

Informieren Sie sich also bitte bei einem erstens serioesen!, zweitens unabhaengigen! und drittens Fachmann!, was Sie im Falle eines Falles vor Gericht auch tatsaechlich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit durchsetzen koennten bzw. was im Einklang mit den Gesetzen steht, falls Sie das Pech haben, dass Ihr Vertragspartner sich dann doch nicht an die Klauseln der privaten Vereinbarung halten will, und was reine Makulator, Wunschdenken und Balsam fuer Ihre Nerven ist.

14. Unter Geiern

Das war doch der Titel eines dieser tollen Winnetou-Filme, die wohl viele von uns als Kinder an Sonntagabenden vor der Mattscheibe fesselten.

Diese Tage sind vorbei, aber die Geier scheinen uns gefolgt zu sein. Hier in Paraguay sind es neben ganz normalen Kriminellen, die hier offenbar in Gruppen einwandern, “Gestrandete” oder an der eigenen Ueberheblichkeit und Selbstueberschaetzung Gescheiterte (bitte beachten Sie, dass ich insbesondere die Zuwanderer ins Visier nehme, nicht unsere Gastgeber hier!), die nun unter dem Deckmantel der Seriositaet versuchen, doch noch einen guten Schnitt zu machen. Sie, mein Lieber (meine Liebe), gehen dabei geplant ueber Bord. Kollateralschaden nennt man das wohl.

Wer die gaengigen Ratschlaege befolgt, fuehlt sich mit der Beauftragung ausgewiesener Fachleute (Anwaelte, Uebersetzer, Gutachter, etc.) zunaechst einmal sicher und gut beraten. Wer kann schon ahnen, dass manche "Fachleute" durchaus willens und in der Lage sind, sich so weit zu prostituieren, dass sie ihre eigene Ehre verkaufen und ihre Zulassung riskieren, um ein paar laeppische Guaranies zu verdienen, indem sie ihre Kunden im stillen Einvernehmen mit der Gegenseite uebervorteilen, im Unklaren lassen, bewusst falsch informieren und beraten oder sogar regelrecht verkaufen und einen Scheiss auf Ihre anschliessenden Probleme oder Fehlinvestitionen oder das Scheitern ganzer Familien geben.

Frage also: wie kann man das vermeiden? Antwort: schwierig!! Denn niemand wird Ihnen auf die Nase binden, dass Sie sein naechstes Opfer sind. Doch, natuerlich sind die Leute bekannt, aber das finden Sie schon selbst heraus.

Ihre Devise muss also lauten: INFORMIEREN! Bei der Deutschen Botschaft, bei der Deutsch-Paraguayischen Aussenhandelskammer, bei den Notariaten in Ihrer Naehe, und sprechen Sie verschiedene Leute an, die schon Erfahrungen gesammelt haben.

Ich glaube zwar, dass kaum jemand, der hier in Paraguay auf der oeffentlichen Buehne steht oder gar schwarze Schafe beim Namen nennt, den anonymen Schmierfinken in den laecherlichen Internetforen entgeht. Wer dort allerdings haeufiger auftaucht, ueber den sollte man dann doch einmal Erkundigungen einziehen. Ich weiss schon, was jetzt kommt….

"Das dauert aber, und wie soll ich das denn machen, und ich bin auch unter Zeitdruck, und ich weiss nicht recht, ob das wirklich erforderlich ist, denn der hat doch eine Zulassung und macht auch einen sehr netten und kompetenten Eindruck……."

Okay, es hat ja auch niemand gesagt, dass ein Betrueger ein Idiot sein muss und ein Schild "Meide mich!" an der Stirn kleben hat.

Gestehen Sie diesen Leuten ruhig auch eine gewisse abartige Intelligenz, Gewieftheit und Koennen im Koedern ihrer "Kunden" zu.

Und uebrigens: in Paraguay kommt niemand unter Zeitdruck. Oder haben Sie schon mal einen Paraguayer in Eile gesehen? Wer hier in Eile kommt, der macht irgendetwas falsch oder wird kuenstlich unter Druck gesetzt.

Unter Zeitdruck koennen Sie aber weder vernuenftig Erkundigungen einziehen noch Vorlagen und Vertraege oder gar Grundstueckspapiere pruefen. Sie sehen, dass aufgebauter Zeitdruck durchaus Methode hat.

Sprechen Sie ruhig unverbindlich mit mehreren Leuten aus der jeweiligen Berufsgruppe, deren Dienste Sie benoetigen, und vergleichen Sie dann das Geschaeftsgebahren, die Aussagen und – ich wiederhole – seien Sie extrem vorsichtig und misstrauisch, wenn ohne detaillierte Kenntnis der Dinge alles als einfach dargestellt wird, private Beziehungen zu Entscheidungstraegern konstruiert werden und/oder gleich am Anfang Geld gefordert wird. Einfach etwas mehr Ihrem Bauchgefühl vertrauen und vorher fragen, nicht hinterher, um sich im Nachhinein das Bauchgefuehl bestaetigen zu lassen.

Fast taeglich habe ich mit Landsleuten zu tun, die im guten Glauben vermeintliche Fachleute engagiert haben und dann – das ist wirklich ausgesprochenes Pech - an ein schwarzes Schaf der betreffenden Berufsgruppe geraten sind.

Also: holen Sie Informationen, Informationen und nochmals Informationen ein. Hoeren Sie sich um, was Ihr auserwaehlter Fachmann sonst so treibt und mit wem er arbeitet.

Leisten Sie Zahlungen AUSSCHLIESSLICH gegen Quittungen mit exakter Benennung des Empfaengers und Zahlungsgrundes, und lassen Sie den Empfaenger unterzeichnen (neee, ist offenbar hier nicht selbstverstaendlich).

Unterzeichnen Sie keine “pagare” (das sind Schuldscheine mit direktem Durchgriffsrecht ohne Gerichtsverfahren), ohne sich ueber die Gefahren und Konsequenzen im klaren zu sein.

Gehen Sie keine Geschaefte ohne notariell geschlossene und neutral uebersetzte Vertraege ein. Vergessen Sie Friedensrichter, Polizeistationen und andere Pseudo-Autoritaeten. Die bringen Ihnen in diesem Fall keinerlei Rechtssicherheit!!

Und.. ganz wichtig!! Holen Sie sich zu Grundstueckspapieren unbedingt immer MINDESTENS ZWEI MEINUNGEN ein. Das kostet, wenn ueberhaupt, dann nur wenig.

Das klingt nach Aufwand, was? Jap. Das kann Sie durchaus einen ganzen Tag an Rennerei kosten.

Aber wo wir schon von Aufwand reden.

Was meinen Sie, was es Sie an Aufwand kostet, wenn Sie Ihr Grundstueck – dann vermutlich bereits mit erstellter Immobilie – sichern muessen, weil es keinen unanfechtbaren Grundstueckstitel hat? Vielleicht ueberlegt der freundliche Verkaeufer ja auch schon, wie er es Ihnen am besten wieder abnimmt?

Was werden Sie wohl an Aufwand aufwenden muessen, um vor Gericht ohne brauchbare Quittungen geleistete Zahlungen glaubhaft zu machen und durchzusetzen? Koennen Sie eigentlich gleich vergessen. Das Geld für die Verteidigung koennen Sie auch gleich sparen. Am besten zahlen Sie direkt das, was Ihrem gewitzten Vertragspartner nach dessen Meinung noch zusteht.

Was werden Sie wohl an Aufwand haben, wenn Ihr eigener Anwalt / Uebersetzer / Sachverstaendiger Sie und Ihre Strategie an die Gegenseite verschachtert? Worst Case und je nach Grad der Boshaftigkeit oder Phantasie dieser Leute und der Potenz Ihres Geldbeutels mehr oder weniger existenzgefaehrdend fuer Sie!!

Sie werden bemerkt haben, dass ich keine Namen genannt habe. Ganz bewusst, denn die Entscheidung liegt ganz allein bei Ihnen, wieviel Aufwand Sie in die Sicherheit Ihrer Investition und Ihrer Zukunft hier investieren moechten.

15. Drogen - Honi Soit Qui Mal Y Pense

In Paraguay werden, wie in anderen suedamerikanischen Laendern auch, Drogen angebaut. Ich bin kein Experte, aber ich nenne sie der Einfachheit halber einmal Marihuana. Die Pflanze waechst auch wild, und sie sieht dem Heilkraut Suiko zum Verwechseln aehnlich. Leute der Staatsanwaltschaft sagten mir, Marihuana-Pflanzen wuerden einen typischen Geruch verstoemen und bei Nacht „leuchten“. Ich weiss es nicht, aber wer will, mag das nachpruefen.

Paradox scheint, dass gerade Drogendelikte in Paraguay hart und unbarmherzig verfolgt werden. Einmal sicherlich, weil Paraguay als Transitland bei diesem Thema eine schlechte Auslandspresse hat. Andere vermuten Hintergruende in der juengsten Politik. Wieder andere sehen die Konkurrenzsituation dieser Branche als Triebfeder.

Das Warum braucht uns eigentlich nicht weiter zu interessieren. Entscheidend ist, dass Sie es mir einfach einmal glauben, dass Drogendelikte neben dem sexuellen Missbrauch Minderjaehriger Sie in Schwierigkeiten bringen, die Sie in ihrem Ausmass nicht ansatzweise erahnen. Stammtisch-Meinungen sagen, dass man sexuelle Abenteuer mit Minderjaehrigen (s. auch Punkt 11: Licht und Schatten) mit etwas Geld immer aus der Welt schafft. Das mag vielleicht sein, solange das Hauptinteresse der Eltern des/der Minderjaehrigen der Geldforderung an Sie zum Ausgleich "des Schadens" gilt. Sollten Sie aber an Eltern geraten, denen das Wohl ihrer Kinder am Herzen liegt und/oder die Staatsanwaltschaft eingeschaltet werden, dann wendet sich das Blatt abrupt und unumkehrbar, und Sie wandern genau wie bei Drogendelikten unabwendbar, unaufschiebbar und auf direktem Wege in den Bau. Ich halte das fuer vertretbar und zum Wohle unser aller Kinder fuer absolut wuenschenswert, ... wenn die Anschuldigungen denn stimmen, worauf es aber erst irgendwann im Schritt 2 und 3 des Verfahrens bzw. nach Monaten in der Haftanstalt ankommt.

Zurueck zum Thema.... Wie dem auch sei: es empfiehlt sich nicht, Sonntagsausfluege in die Drogen-Anbaugebiete zu unternehmen, die mehr oder weniger gut bekannt und noch besser bewacht sind. Versuchen Sie auch, die typisch deutsche Angewohnheit zu unterdruecken, das naechste Polizeirevier von Ihren Vermutungen und Sichtungen zu unterrichten. Die Beamten dort wissen bestimmt besser Bescheid, als Sie annehmen.

Wichtig fuer Sie ist vor diesem Hintergrund nur eines: denken Sie nicht, Paraguay als Anbauland, Entwicklungsland und „rechtloses Land“ wuerde Ihnen nun freie Hand lassen, um mit den Drogen so umzugehen, wie Sie es fuer richtig halten.

10 Gramm Eigenbedarf sind laut Gesetz erlaubt. Auch der Verbrauch steht nicht unter Strafe. Der Besitz allerdings schon, und der Handel damit sowieso. Wenn Sie die Gefahr lieben, versuchen Sie mal die Gratwanderung zwischen geringem Eigenkonsum und nicht erlaubtem Besitz. Falls Sie dagegen den Drogenhandel fuer sich entdecken wollen, ist das Gesetz Ihr geringstes Problem.

Halten Sie sich auch nicht sklawisch an den genannten Mengen oder Verfahren fest, denn die Justiz tut es im Zweifelsfall auch nicht, jedenfalls nicht zu Ihren Gunsten. Auch von Ihrem Anwalt sollten Sie keine Wunder erwarten, denn bei Drogendelikten gibt es weder Haftverschonung noch „Rundum-Sorglos-Deals“.

Die Strafe liegt, nachdem Sie mindestens sechs (!) Monate unter teils erbaermlichen Bedingungen in Untersuchungshaft abgesessen und viel Geld fuer Anwaelte investiert haben, zwischen zwei Jahren (nur diese Mindeststrafe kann mit sehr, sehr viel Glueck und Geschick und bei nachgewiesener Drogenabhaengigkeit IM ABSOLUTEN AUSNAHMEFALL gegen Auflagen zur Bewaehrung ausgesetzt werden) und vier Jahren, bei schwereren Faellen auch von acht bis fuenfzehn (!) Jahren. Die Spanne ist breit und laesst Raum fuer Interpretationen und „Ermittlungen“ der Justiz.

Stellen Sie sich gedanklich bitte darauf ein, dass im krassen Gegensatz zu Ihrem westeuropaeischen Rechtsempfinden im Zweifelsfall eher GEGEN den Angeklagten entschieden wird.

Je hoeher die Menge, desto groesser die Wahrscheinlichkeit, dass Oberstaatsanwaltschaft und Drogenbehoerde sich interessieren, denn auch hier gibt es rechtschaffene Leute, die sich mit Erfolgen im Kampf gegen den Drogenhandel profilieren und ihre Sporen verdienen wollen. Ganz allgemein: je mehr Oeffentlichkeit und (im schlimmsten Fall  internationales) Interesse eine Strafsache geniesst, desto geringer werden die Chancen, diese elegant beilegen zu koennen.

Falls Sie einen kurzen Gedanken an die Deutsche Botschaft, den Europaeischen Gerichtshof, Menschenrechtsorganisationen oder aehnliche Institutionen verschwendet haben, so vergessen Sie diese naiven Gedanken am besten gleich wieder. Die Gesetzeslage ist klar und hart, und Verfahrensfehler, die kleine Hintertuer, gehoeren zum Geschaeft und bringen keine auslaendische Institution zur Intervention. Ganz im Gegenteil: der Versuch der Einflussnahme bringt zustaendige Staatsanwaelte oder Richter sogar dazu, sich einzuigeln, auf den Buchstaben des Gesetzes zurueckzuziehen und den Selbstschutz zu erhoehen. Ausserdem verlangt doch gerade das Ausland ein haerteres Durchgreifen gegen die Drogen. Da muss man dann dem willigen Staat in der Anlaufzeit auch gewisse Maengel in der handwerklichen Durchfuehrung durchgehen lassen.

Das hilft IHNEN natuerlich nichts. Noch nicht gemerkt? Sie sind jetzt in der Rolle des Statisten, des Passiven, und der Rest um Sie herum beschaeftigt sich mit sich selbst und versucht, nach allen Seiten einen guten Eindruck zu machen. Wenn Sie sich jetzt hilflos und ausgeliefert fuehlen, dann bekommen Sie ein recht zutreffendes Gefuehl fuer Ihre tatsaechliche Lage, wenn Sie in die beschriebene Situation geraten sollten.

Das Auswaertige Amt (www.auswaertiges-amt.de) drueckt dies in den laenderspezifischen und staendig aktualisierten Reise- und Sicherheitshinweisen diplomatisch korrekt wie folgt aus (Stand 03.03.2014):

"In den letzten Jahren wurde Paraguay verstaerkt von Drogenkurieren als Transitland genutzt. Die paraguayische Anti-Drogenbehoerde SENAD verzeichnet seit laengerem international anerkannte Fahndungserfolge; in den Gefaengnissen von Asuncion sitzen auch Europaeer wegen Drogenschmuggels ein. Die Haftbedingungen sind hart (Ueberbelegung der Haftanstalten, mangelnde Hygiene und Versorgung), die Prozesse langwierig. Zu den Betreuungsmoeglichkeiten der Botschaft gehoert die Vermittlung eines Vertrauensanwalts.

Sollten Sie aus irgendeinem Grund festgenommen werden, bitten Sie in jedem Fall um sofortige Unterrichtung der Botschaft, die ueber ein Bereitschaftsdiensttelefon jederzeit zu erreichen ist."

Es ist also auch hier keine Rede von einer wie auch immer gearteten Intervention der Botschaft, die Ihnen eine Sonderbehandlung sichern koennte.

Ach, man hat Ihnen die Drogen zugesteckt? Na, dann haben Sie ja noch einmal Glueck gehabt, wenn Sie das jetzt auch noch hieb- und stichfest beweisen koennen und auch selbst die Zusammenhaenge ermitteln. Sonst koennte da ja jeder kommen. Dann sitzen Sie vielleicht tatsaechlich nur fuer die Dauer der staatsanwaltlichen Ermittlungen von ca. sechs Monaten.

Sympathisch finde ich immer, wenn dann wie aus dem Nichts und zu Fuss „wichtige und einflussreiche“ Lichtgestalten auftauchen, die vorgeben, sie haetten einen Diplomatenpass, arbeiteten fuer ein wichtiges Ministerium, gehoerten einer Menschenrechtsorganisation an (ach ne, kann nicht sein... Ausweise leider vergessen...) und meinen, sie stuenden ueber den nationalen Gesetzen und haetten auf einer hoeheren Ebene direkten Zugang zu den Entscheidern und keine wirtschaftlichen Interessen – ganz im Gegensatz zu den verpoenten Anwaelten, die auf Grundlage der Gesetze und vor allem nach den geltenden „Spielregeln“ versuchen, IHRE Karre aus dem Dreck zu ziehen und zu retten, was denn ueberhaupt noch zu retten ist. Gern hoeren sich Anwaelte, Staatsanwaelte, Richter, andere Funktionaere und auch Presse und TV (die ja fuer Novelas immer sehr aufgeschlossen sind) die gewichtigen Argumente und sogar die Drohungen dieser Gestalten an, um diese dann mit einem milden Laecheln wieder ins Nimmernimmerland zu entlassen.

Erfolglos ist dieses Bemuehen der furchtlosen Streiter jedoch nicht. Nun haben Sie als Verdaechtigter oder Angeklagter, für den die Anwaelte hinter den Kulissen die hauchduennen Faeden ziehen, die Buehne und die Aufmerksamkeit aller gewonnen, so dass jeder, der Entscheidungen zu faellen hat und sich nun im Rampenlicht der nationalen und internationalen Oeffentlichkeit und der uebergeordneten Behoerden sieht, ein Hoechstmass an Korrektheit und Gesetzestreue demonstrieren muss und WIRD, damit nur ja kein Schatten der Bestechlichkeit auf ihn faellt. Spaetestens jetzt werden Ihre allgewaltigen Helfer sich geraeuschlos verabschieden. Honi soit qui mal y pense!

 


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